Mittwoch, 6. Januar 2010

Mittwoch, 11. Februar 2009

Das Wissen der Tembé

Prä-Astronautische Spuren bei einem Indianerstamm Brasiliens
Gisela Ermel
In: Sagenhafte Zeiten, Nr. 2/1998

Einer der Tupi-Stämme in Nordbrasilien ist der der Tembé-Indianer, auch bekannt unter der Bezeichnung Tenetehara. 1915 wurden in der Berliner Zeitschrift für Ethnologie erstmals Sagen dieses Indianerstammes veröffentlicht, die einige für die Paläo-SETI-Forschung interessante Aussagen enthalten. Curt Nimuendaju-Unckel, der diese Sagen sammelte, verbrachte den grösstem Teil seines Lebens in Brasilien. Da er jahrelang unter verschiedenen Indianerstämmen lebte, war es ihm möglich, zahlreiche Informationen über sie zusammenzutragen und später zu publizieren. Bei den Tembé weilte er 1914 bis 1915.


Curt Nimuendaju-Unckel

Ein Blick in die Mythologie dieses Volkes ist faszinierend. Die Tembé haben die Erinnerung an eine Gruppe von "Himmelsmenschen" bewahrt, die sie Karuwára nennen. Diese Wesen sollen einige Zeit auf der Erde geweilt und ihren Wohnplatz im Westen der alten Tembé-Siedlungen (die sich im Gebiet des oberen Pindaré befanden) gehabt haben. Etwa einen Monat habe ein Fussmarsch durch die baumlose Steppe gedauert, in der sich der geheimnisvolle Ort befunden hätte. Einige ihrer Vorfahren sollen mehrfach versucht haben, dorthin zu gelangen, aber die meisten dieser Versuche schlugen fehl. Nicht ohne Absicht hatten die Karuwára offensichtlich diese Stätte gewählt: im Winter war die Steppe, über die der grösste Teil der Reise ging, meist überschwemmt gewesen, im Sommer dagegen der Boden derart aufgeheizt, dass man ihn nicht betreten konnte. Ausserdem seien neugierigen Wanderern unterwegs die merkwürdigsten Dinge widerfahren: von einem zum anderen Augenblick konnte man statt der Hängematte Steine oder ein Termitennest auf dem Rücken tragen, oder das Reisegepäck war plötzlich verschwunden, und man musste umkehren, um es zu suchen. Dennoch soll es einigen Tembé gelungen sein, die Himmelsleute-Siedlung zu erreichen.

Tembé-Indianer
Einmal, nachdem wieder eine grosse Gruppe aufgebrochen, auf halbem Weg unverrichteter Dinge aber wieder hatte umkehren müssen, sei einer der Himmelsleute selbst in ihrer Aldéa (Tembé-Siedlung) erschienen. Er sei von oben aus der Luft herabgekommen und hätte sich auf dem höchsten Ast eines Baumes niedergelassen. Was er dort tat, deuteten die Tembé als "Singen". Der Himmelsmann sei "bemalt" gewesen, und sein "Schmuck" habe aus "Federn, Rasseln und Zepter" bestanden. Die Tembé liefen aus allen Richtungen zusammen, reinigten den Platz um den Baum, blieben dort und versuchten zu imitieren, was der Himmelsmann tat. Die spätere Tembé glaubten, dieser habe ihnen "den Gesang" beigebracht. Schliesslich sei der Karuwára wieder zum Himmel "emporgestiegen", habe aber zuvor seinen "Schmuck" zur Erde herabfallen lassen. Die Tembé hoben die Sachen auf, bewahrten sie und fertigten nach diesem Vorbild ihren künftigen Tanzschmuck an.

Dorf der Tembé-Indianer
Trotz der unwirtlichen Steppe, in der sie sich niedergelassen hatten, soll der Wohnort der Karuwára selbst eine blühende Oase gewesen sein. Besucher wurden beim Näherkommen von einer unsichtbaren Stimme mit ihrem Namen angesprochen (mangels einer besseren Erklärung glaubten die Tembé, diese Stimmen wären von den in der Oase sich tummelnden Vögeln gekommen.) Die Karuwára seien unsterblich und erfreuten sich einer problemlosen Versorgung mit Nahrung: Tembé hatten beobachtet, dass sich die Himmelsleute von einer einzigen "Frucht" ernährten, und diese sei ihrer cuia ähnlich. Die "Pflanzung" der Karuwára bedürfte dabei keiner Pflege und pflanze und ernte sich "von selbst".
Kalebassenbaum mit Cuia-Früchten
Bei der cuia handelt es sich um die hartschalige Frucht des Kalebassenbaumes (Crescendia Cujete L.), die, ihres Fruchtfleisches entleert, in grossen Teilen Brasiliens auch als Gefäss Verwendung findet. Die Indianer höhlen die Frucht aus und schneiden sie zum Beispiel in zwei Teile, streichen diese innen und aussen mit einer mit Gummi vermischten Farbe an, so dass das Gefäss wie lackiert wirkt.

Cuia-Schalen

Cuia-Trinkgefäss
Den Mythen der Tembé zufolge stammte die Nahrung der "Himmelsleute" aus einer Quelle, die sie an diese cuia erinnerte: sahen sie vielleicht ein "hartschaliges, gefässähnliches" Etwas, aus dem die Karuwára ihre Nahrung bezogen, Nahrung, die sich von selbst "pflanzt und erntet"? Ist es in diesem Zusammenhang nicht legitim, an eine der Manna-Maschine ähnliche Apparatur zu denken? Nehmen wir an, ein Tembé-Indianer habe in einem zeitweilig in einer abgeschiedenen Steppe angelegten Stützpunkt ausserirdischer Intelligenzen eine "Manna-Maschine" (also einen automatischen Nahrungsspender) gesehen: Wie sonst hätte er diesen Gegenstand aus seiner Sicht treffender beschreiben können als eine Art "Pflanzung", die sich von selbst sät / erntet und die an die ausgehöhlte, als Gefäss dienende cuia-Frucht erinnert?

Manna-Maschine der Israeliten, wie sie George Sassoon und Rodney Dale anhand jüdischer kabbalistischer Texte rekonstruierten und die die Israeliten während der 40-jährigen Wüstenwanderung mit Nahrung - Manna - evtl. auf der Basis von Chlorella-Algen versorgte
Bleibt noch zu erwähnen, dass die Karuwára nach den Überlieferungen der Tembé inzwischen wieder in der "Stadt der Götter", Karuwára nekwaháo, leben, die sich im Himmel befinden soll. Auch dort gäbe es eine "Fülle von Nahrung, die von selbst wächst".
Leider war es mir bislang nicht möglich, ein Museum mit einer Nimuendaju-Sammlung zu finden, in dem auch Tanzschmuck der Tembé aufbewahrt wird (andere Tembé-Objekte gibt es in Hamburg, Dresden und Leipzig). Es bliebe auch noch festzustellen, ob sich derartige Objekte in den brasilianischen Museen von Belém oder Rio de Janeiro befinden. Auch dürfte ein Vergleich der Mythen weiterer Tupi-Stämme sowie der in relativer Nähe heimischen Kayapó interessant sein.
Literatur:
Briefliche Mitteilungen von Dr. C. Raddatz (Völkerkundemuseum Hamburg) und Rolf Krusche (Völkerkundemuseum Leipzig)
Ehrenreich, Paul: Die Mythen und Legenden der südamerikanischen Urvölker. Berlin 1905
Friderici, G.: Amerikanistisches Wörterbuch und Hilfswörterbuch für dem Amerikanisten. Hamburg 1960
Nimuendaju-Unckel, Curt: Sagen der Tembé-Indianer. Zeitschrift für Ethnologie, 47, Berlin 1915
Sassoon, G. / R. Dale: Die Manna-Maschine. Rastatt 1979
Wagley, C. / E. Galvao: The Tenetehara Indians of Brazil. New York 1949






Dienstag, 10. Februar 2009

Bep-Kororoti - Visitor from the Stars?

Gisela Ermel
In: Legendary Times, Vol. 4, Nr. 4, 2002

In his 1972 book "Gods from outer Space" Erich von Däniken first published details of the myth of Bep-Kororoti. In this, a straw suit, bearing an astonishing resemblance to a modern space suit, plays an important role in the ritual dances of the Brazilian Kayapó Indians. The myth reported by Erich von Däniken indicates that Bep-Kororoti, who wears this suit, was a "visitor from the stars".


Bep-Kororoti, a culture-bringer, imitated from the Kayapó-Indians

Critics of the interpretation of this myth in terms of the Paleo-SETI-Hypothesis have suggested that the modern Kayapó were inspired by a modern space suit when creating this straw suit. Members of the tribe have been in loose contact with so-called modern civilization for several decades, and may have seen space suits in magazines, newspapers, or on the television. However, this point of citicism can be definitely refuted.

The Straw Suits of the Bakairi
Back in 1884, the ethnologist Karl von den Steinen (2, 3) was on an expedition through central Brazil, and when with the Bakairi Indians photographed a similar straw suit, somewhat frayed and worn out, which he found in one of their huts.



Straw suit (without head-piece) of the Bakairi, Photo by Karl von den Steinen 1884

He did not include the associated head-piece in his photo - the three objects on the right sight and left belong to other dance suits. The Bakairi told Karl von den Steinen that their name for this suit was kualohe ("house") and the associated head-piece was the "head-house". They said that one had to climb into such a suit through its neck, where it was about one meter in width, then tie it up with a rope provided for the purpose so that it enclosed the entire body. The head-piece was put on separately and covered the entire head. The Bakairi used palm straw leaves to make this suit, as also did the Kayapó.
The Bakairi knew that their heavenly culture-bringer Keri had worn such a suit. The Indians remember a time long ago at which there were close connections between the inhabitants of heaven and the inhabitants of Earth. The heavenly visitors had a "heaven-world" which was then quite close to the Earth, and apparently mobile. Then, one day, they disappeared whith it, up and out into the Universe.

The Culture-bringers of the Kauá and Karajá
At the beginning of the 20th century the ethnologist Theodor Koch-Grünberg (4) also spotted a "trouser-suit", as he called it, from the Kauá Indians during one of his research expeditions, this time in the area of the source of Brazil's Rio Negro. This was for Koch-Grünberg grossly different from all other dance suits, with an "unusual mask" which too was said to represent a culture-bringer. Koch-Grünberg describes ist as nade from plaited raffia, with trouser legs, completly enclosing the body. With it there was a separate head-piece, on which the Kauá paintet round black eye-holes, and which the dancer playing the part of the culture-bringer put over his head and neck.
In 1909 Koch-Grünberg wrote: "(This suit must) have originated from a non-European influence, since troucer-masks are to be found with the totally uncontacted tribes in the area of the source of the Xingu." This important reference of Koch-Grünberg relates to the straw suit of the Bakairi documented by Karl von den Steinen in 1884; since Koch-Grünberg writes of the Xingu source tribes in the plural, he must have known of at least one other tribe in that aera that possessed such a straw suit - quite possibly the Kayapó, who like the Bakairi live in the Xingu source region. In 1909/1910 Koch-Grünberg published his book "Two Years with the Indians". In it he adds a footnote to the effect that the ethnologist Paul Ehrenreich had found plaited straw suits with trouser legs with the Karajá Indians, a central Brazilian "fisher-people".



Straw suit of the Karajá, PaulEhrenreich 1891

The Indians in the Brazilian Rio Negro source region claim to have seen the first of these suits with the culture-bringers, who in ancient times had stayed on Earth as teachers. At that time they lived in "stone-houses" according to the Kauá, and moved around outside of them wearing these suits. They also traveled about the country, and everywhere that they went these mask-dances were performed in imitation of them. The Rio Negro Indians later told Koch-Grünberg also that their instructors, who had taught them agriculture among other things, had vanished back to the stars. The Kauá envision them to be still up there, dressed in their remarkable suits.
These different myths fit together wonderfully in their "hard" core:
Such a suit was attributed to one or more culture-bringers, believed to have "come from the stars"; these teachers brought skills such as farming to the Indians, and then later returned "to the stars".

Kayapó Myths
The Kayapo myths tell a very similar story. The anthropologist Anton Lukesch (5, 6, 7) lived with the Kayapó from 1954 till 1970 with one break, conducting ethnological field research. The Indians reported to him, that their Bep-Kororoti too "returned to the stars", where, they believe, he still resides. An inhabitable world "in heaven" is not a strange concept for the Kayapó, because they know that in the distant past their own ancestors had lived on a world in the sky similar to Earth. After the "Earth below" - our planet - had been discovered, a part of them had emigrated to it. As it was suitable for people, they decided "to go down there". The Kayapó told Lukesch that not all settlers had been able to make it, but had had to stay in their old home, because some "breakdown" during the "move" had prevented further descents. The descendants of those who stayed behind are still living on the heavenly world.
The tradition is made still more exciting by the statement that Bep-Kororoti, when he visited the Earth, had gone back not to this world, but to yet another one, which is also up in heaven, known as the Place of Abundant Food. From this place Bep-Kororoti came back for a second visit to Earth, and later his daughter visited the Kayapó. Sie married a Kayapó and bor his children.
During a famine this celestial lady flew back up to Bep-Kororoti in the sky, and on her return she brought back many fruits and plants, including the manioc tuber which is a basic food component all over Brazil. The Kayapó still regocnize today, that it was Bep-Kororoti's daughter who introduced their ancestors to shifting cultivation and the planting and cultivation of the celestial manioc tuber (8).
The Brazilian myths of heavenly culture-bringers and teachers discussed here are merely the tip of the iceberg. I would split the seams of this article if I were to mention everything which conforms and supplements these assertions. This whole-body suit, so astonishingly similar to an modern space suit, found with various Brazilian Indian tribes as we have seen, matches perfectly with the picture drawn by the myths. This object quite clearly imitates an all-enveloping suit which was first seen worn by one or more heavenly teachers, who later went "back to heaven". Therefore the suit constitutes as object of great significance for Paleo-SETI.
Members of technologically-primitive tribes like to imitate the objects and behavior of other civilizations with which they come into contact - especially technically superior ones. This is still going on today. In 1947, the ethnologist Dr. Herbert Baldus (9) visited a central Brazilian Indian tribe. He found an example of this in a little girl, whose face was painted not only with the black designs of the tribe, but also with red lipstick - like a "westernized" lady! And then there is the large straw hat adapted by the south Barzilian Kaingang as a result of contact with Westerners, which is worn continually after early childhood as a sign of masculinity and has taken over the role of the lip-plug, which with other tribes is used as the sign of the male sex. As a Paleo-SETI researcher one can go on to ask: what was the origin of wearing these lip-plugs? The Brazilian Karajá claim to have seen them for the first time on their culture-bringers, they who taught them to plant maize, manioc, and pinapples...


Kayapó-Indian with lip-plug

Brazilian Indian myths, dance masks, ritual objects, cultural dances etc. - all certainly form significant pieces in the Paleo-SETI mosaic. The straw suit of the Kayapó was certainly not inspired by a modern space suit, as proved by objects found already in the 19th century (for example 1884). And then there ist the oral tradition that the suit was worn by visitors who came "from the stars", and then returned to where they came from. In Brazil too, our past appears to be much more fantastic than our history books would like us to believe.

References:
(1) = Däniken, Erich v.: Aussaat und Kosmos. Düsseldorf, Wien 1972
(2) = Steinen, Karl von den: Durch Central-Brasilien. Leipzig 1886
(3) = Steinen, Karl von den: Unter den Naturvölkern Zentralbrasiliens. Berlin 1894
(4) = Koch-Grünberg, Theodor: Zwei Jahre unter den Indianern. Berlin 1909/1910
(5) = Lukesch, Anton: Bebgororoti - eine mythologische Gestalt der Gorotire Indianer. Wiener Völkerkundliche Mitteilungen, neue Folge 2 / 7, Wien 1958
(6) = Lukesch, Anton: Leben und Mythos der Kayapo. Wien 1968
(7) = Lukesch, Anton: Schamanen am Rio Xingu. Wien, Köln 1990
(8) = Furduji, R.: Die Gene und die Ausserirdischen. In: Sagenhafte Zeiten 6/99
(9) = Baldus, Herbert: Die Jaguarzwillinge. Kassel 1958










Montag, 9. Februar 2009

Bep-Kororoti

Besucher von den Sternen?


Überlieferungen und Strohanzüge weiterer brasilianischer Naturvölker bestätigen Kayapó-Mythe

Gisela Ermel

In: Sagenhafte Zeiten, Nr. 1/2000, Beatenberg 2000



Kayapó-Indianer in Brasilien und ihr nachgestellter Bep-Kororoti


In "Aussaat und Kosmos" stellte Erich von Däniken (1) 1972 zum ersten Mal den Mythos um Bep-Kororoti vor. Dabei spielte der von den brasilianischen Kayapó-Indianern hergestellte, im Tanzritus verwendete und verblüffend an einen modernen Raumanzug erinnernde Strohanzug eine wichtige Rolle. Der von Erich von Däniken dazu berichtete Mythos zeigte den diesen Anzug tragenden Bep-Kororoti als "Besucher aus dem Himmel"


Kritiker dieser Deutung im Sinne der Paläo-SETI-Hypothese haben zum Beispiel eingewandt, die modernen Kayapó-Indianer hätten sich bei diesem Strohanzug von einem heutigen Raumanzug inspirieren lassen. Diesen könnten Mitglieder des brasilianischen Indianerstammes - die seit Jahrzehnten in lockerem Kontakt mit der sogenannten modernen Zivilisation stünden - in Zeitschriften, Zeitungen oder dem Fernsehen gesehen haben. Dieser Kritikpunkt kann jedoch ganz klar widerlegt werden.


Die Strohanzüge der Bakairi

Bereits 1884 fotografierte der Ethnologen Karl von den Steinen (2, 3) während einer Expedition durch Zentralbrasilien bei den Bakairi-Indianern einen ähnlichen Strohanzug, den er, schon etwas zerfranst und mitgenommen, in einer ihrer Hütten vorfand.


Strohanzug der Bakairi-Indianer, 1884 fotografiert von Karl von den Steinen


Den dazugehörigen Kopfaufsatz bannte er nicht mit auf sein Foto; die drei Objekte rechts und links daneben gehören zu anderen Tanzanzügen. Die Bakairi berichteten Karl von den Steinen, dieser Anzug werde von ihnen kualóhe ("Haus") genannt und der dazugehörige Kopfaufsatz "Kopfhaus". Sie erzählten, dass man in einen solchen Anzug am Hals hineinsteige, wo die Weite etwa 1,25 m betrage, woraufhin man den Anzug fest mit einem dafür vorgesehenen Strick verschliesst, damit er rundum den Körper einhülle. Das Kopfteil sei einzeln aufsetzbar und umgebe den ganzen Kopf. Als Material für die Herstellung dieses Strohanzugs verwandten die Bakairi Palmstrohblätter, so wie auch die Kayapó.

Die Bakairi wussten, dass einen solchen Anzug ihr himmlischer Kulturbringer Keri getragen hatte. Die Indianer erinnerten sich an eine weit zurückliegende Zeit, in der eine enge Bindung zwischen den Himmelsbewohnern und den Erdbewohnern bestanden haben soll. Eines Tages hatten sich dann die himmlischen Besucher mir ihrer anscheinend mobilen, damals nahe bei der Erde gelegenen "Himmelswelt" weit empor ins All entfernt.


Die Kulturbringer der Kauá und Karajá

Auch der Ethnologe Theodor Koch-Grünberg (4) bekam auf seinen Forschungsreisen am Anfang des 20. Jahrhunderts einen "Hosenanzug", wie er es nannte, zu sehen, diesmal im Rio Negro-Quellgebiet Brasiliens bei den Kauá-Indianern. Für Koch-Grünberg war dieser, sich von allen anderen Tanzanzügen krass unterscheidende, Anzug eine "eigenartige Maske", die auch hier einen Kulturbringer darstellen soll. Koch-Grünberg beschreibt ihn als aus Bast geflochten, mit Hosenbeinen, den Körper ganz umschliessend. Dazu ein extra Kopfaufsatz, den die Kauá mit runden, schwarz umrandeten gemalten Augenlöchern versehen hatten, und den sich der Tänzer, der den Kulturheros darstellte, über Kopf und Hals stülpte.



Ethnologe Koch-Grünberg unter brasilianischen Indianern


Koch-Grünberg schrieb 1909: Dieser Anzug brauche seine "Entstehung nicht europäischem Einfluss zu verdanken, da Hosenmasken auch bei den gänzlich unberührten Stämmen des Xinguquellgebietes gefunden worden sind." Dieser wichtige Hinweis Koch-Grünbergs bezieht sich auf den von Karl von den Steinen 1884 dokumentierten Strohanzug der Bakairi; doch da Koch-Grünberg von Stämmen im Xinguquellgebiet in der Mehrzahl schreibt, muss ihm noch mindestens ein weiterer dort ansässiger Stamm bekannt gewesen sein, der einen solchen Strohanzug besass. Möglicherweise die Kayapó - die ja ebenfalls wie die Bakairi im Xinguquellgebiet leben. Des weiteren merkt Koch-Grünberg in seinem 1909/10 erschienenen Buch "Zwei Jahre unter den Indianern" in einer Fussnote an, dass auch der Ethnologe Paul Ehrenreich bei den Kayapó-Indianern, einem zentralbrasilianischen "Fischervölkchen", geflochtene Strohanzüge mit Hosenbeinen vorgefunden habe.



Strohanzug der Karajá-Indianer, Zeichnung Paul Ehrenreich 1891


Die Indianer im brasilianischen Rio Negro-Quellgebiet wollen den ersten dieser Anzüge bei den Kulturbringern gesehen haben, die in alter Zeit als Lehrmeister auf der Erde weilten. Diese himmlischen Wesen wohnten damals in "Steinhäusern", sagen die Kauá, vor denen sie sich in solchen Anzügen umherbewegten. Sie seien auch im Land umhergereist, und überall, wo sie hingekommen waren, habe es hinterher Maskentänze gegeben, bei denen sie dargestellt - imitiert - worden seien. Später, so die Rio Negro-Indianer zu Koch-Grünberg, wären diese Lehrmeister, die ihnen unter anderem die Feldbestellung beigebracht hätten, in den Himmel zurückgegangen. Die Kauá stellen sie sich als noch immer dort verweilend vor, angetan mit ihren merkwürdigen Anzügen.

Diese verschiedenen Mythen um einen besonderen Anzug passen in ihrem "harten Kern" wunderbar zusammen: Gesehen wurde so ein Anzug an einem oder mehreren Kulturbringern, die man "aus dem Himmel gekommen" glaubte; diese Lehrmeister brachten den Indianern Fertigkeiten wie Feldbau bei und gingen später wieder "in den Himmel" zurück.


Kayapó-Mythen

Nichts anderes erzählt ja auch die Kayapó-Mythe. Dem von 1954 bis 1970 (mit einer Unterbrechung) für ethnologische Feldforschungen unter den Kayapó lebenden Völkerkundler Anton Lukesch (5, 6, 7) berichteten diese Indianer, auch ihr Bep-Kororoti ging "in den Himmel", wo er, so glauben sie, immer noch lebe. Eine bewohnbare Welt "im Himmel" ist für die Kayapó keine exotische Vorstellung, wissen sie doch, dass ihre eigenen Vorfahren in längst vergangenen Zeiten auf einer Welt ähnlich der Erde im Himmel lebten. Ein Teil von ihnen sei danach auf unsere Erde ausgewandert, nachdem man "die Erde unten" (unseren Planeten) entdeckt habe. Da sie den Menschen gefiel, habe man beschlossen, nach dort "hinunterzusteigen". Nicht alle Umsiedlungswilligen haben aber mit hierher kommen können, so berichteten die Kayapó Lukesch, sie mussten in der alten Heimat zurückbleiben, weil eine Panne während des "Umzuges" das weitere Herabsteigen verhinderte. Die Nachkommen dieser Zurückgebliebenen sollen noch immer dort auf der Himmelswelt leben.


Kayapó-Indianer


Noch spannender wird diese Überlieferung durch die Behauptung, Bep-Kororoti sei, nachdem er die Kayapó besucht hatte, nicht auf diese Himmelswelt gegangen, sondern auf eine andere, die bekannt sei als Ort der Nahrungsfülle, die aber gleichfalls droben im Himmel liege. Von dort aus sei dann Bep-Kororoti zu einem zweiten Besuch auf die Erde herabgekommen, und später habe seine Tochter die Kayapó besucht. Diese habe einen Kayapó-Indianer geheiratet und ihm Kinder geboren.




Junger Kayapó-Mann


Während einer Hungerszeit sei die Himmelsfrau zu Bep-Kororoti, ihrem Vater, in den Himmel geflogen und habe bei der Rückkehr viele Früchte und Pflanzen, unter anderem die in ganz Brasilien so wichtige Grundnahrungspflanze, die Maniok-Knolle, mitgebracht. Die Kayapó wissen bis heute, dass es Bep-Kororotis Tochter war, die ihren Vorfahren das Anlegen der ersten Brandrodungsfläche sowie das Pflanzen und Kultivieren der ersten himmlischen Knollenfrüchte beibrachte (8).

Die hier erläuterten brasilianischen Mythen um himmlische Kulturbringer und Lehrmeister bilden nur die Spitze eines Eisberges; es würde den Rahmen dieses Artikels sprengen, alle zu erwähnen, die diese Aussage bestätigen und ergänzen. Dieser, einem modernen Raumanzug so verblüffend gleichende Ganzkörperstrohanzug - bei verschiedenen brasilianischen Indianerstämmen vorgefunden, wie wir sahen - passt gut in das Bild, das diese Mythen zeichnen. Dieser Gegenstand imitiert ganz klar einen den Körper überall umschliessenden Anzug, der zuerst gesehen worden sein will an einem oder mehreren himmlischen Lehrmeistern, die später auch wieder "in den Himmel" zurückgingen. Damit stellt dieser Strohanzug einen prä-astronautisch deutbaren Gegenstand dar.

Dass Angehörige von technologisch primitiven Stämmen gerne Gegenstände - und Verhaltensweisen - imitieren, die sie bei Angehörigen einer mit ihnen zusammentreffenden Zivilisation - meist einer ihnen technisch überlegenen - sehen, passiert auch noch heutzutage. Bei einem Besuch des Ethnologen Dr. Herbert Baldus (9) im Jahr 1947 bei einem zentralbrasilianischen Indianerstamm begegnete diesem zum Beispiel ein kleines Mädchen, das im Gesicht neben dem schwarzen Muster des Stammes auch noch völlig selbstverständlich die Bemalung der weissen Damen hatte: rot angemalte Lippen! Oder man betrachte den grossen Strohhut bei den südbrasilianischen Kaingang, der durch die Berührung mit den Weissen in die Kultur dieser Indianer eingedrungen ist und heute das von den ersten Jahren der Kindheit bis zum Tode ständig getragene Abzeichen des männlichen Geschlechts darstellt und somit die Rolle des Lippenpflockes übernommen hat, der bei anderen Stämmen als Zeichen des männlichen Geschlechts getragen wird. Was aber, so möchte man als Paläo-SETI-Forscher gleich weiterfragen, war der Ursprung für das Tragen dieses Lippenpflockes? Die brasilianischen Karajá wollen so etwas ähnliches zum ersten Mal an ihrem Kulturbringer gesehen haben, der sie lehrte, Mais, Maniok und Ananas anzupflanzen.


Lippenpflock-tragender brasilianischer Indianer


Fazit: Brasilianische Indianermythen, Tanzmasken, Ritualgegenstände, Kulttänze usw. halten ganz sicher ncoh so manches prä-astronautisch deutbare Mosaiksteinchen bereit. Der Strohanzug der Kayapó aber ist ganz sicher nicht von einem heutigen Raumanzug inspiriert worden, das beweisen seine schon im 19. Jahrhundert (zum Beispiel 1884) aufgefundenen Gegenstücke. Und dennoch wird er als ein Anzug überliefert, den Besucher trugen, die "aus dem Himmel" kamen und auch wieder dorthin zurückkehrten. Unsere Vergangenheit scheint auch in Brasilien phantastischer gewesen zu sein, als es uns unsere Geschichtsbücher weismachen wollen.


Literatur

(1) = Däniken, Erich von: Aussaat und Kosmos. Düsseldorf, Wien 1972
(2) = Steinen, Karl von den: Durch Central-Brasilien. Leipzig 1886
(3) = Steinen, Karl von den: Unter den Naturvölkern Zentralbrasiliens. Berlin 1894
(4) = Koch-Grünberg, Theodor: Zwei Jahre unter den Indianern. Berlin 1909 / 10
(5) = Lukesch, Anton: Bebgoróroti - eine mythologische Gestalt der Gorotire-Indianer. Wiener Völkerkundliche Mitteilungen, Neue Folge 2/7, Wien 1958
(6) = Lukesch, Anton: Leben und Mythos der Kayapó. Wien 1968
(7) = Lukesch, Anton: Schamanen am Rio Xingu. Wien, Köln 1990
(8) = Furduji, R.: Die Gene und die Ausserirdischen. In: Sagenhafte Zeiten, Nr. 6/1999
(9) = Baldus, Herbert: Die Jaguarzwillinge. Kassel 1958